Glücklich sein im inneren

3iIch habe mal so eine Titelgeschichte der „Psychologie heute“ gelesen, die hieß „Lob der Melancholie“. Und da wurde auch gesprochen über die Tyrannei des Glücksgefühls, dass wir heute glücklich sein müssen auf eine oberflächliche Weise. Jederzeit: „Wie geht es dir?“ „Gut.“ Muss man sagen. Und wenn es einem nicht gut geht, nicht so gut. Ist ja auch irgendwo nicht so gut, denn tief im Inneren sind wir Ananda. Nur was ich eben damit sagen will, ein tieferes Glücksgefühl kann auch entstehen, wenn man ansonsten melancholisch ist. Goethe hat mal gesagt: „Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.“ Kennt ihr das Zitat? Goethe war ein Melancholiker. Die Melancholiker sind gar nicht mal so selten und inPsychologie heute“ hieß es, dass die Melancholiker – der Anteil der großen Denker war unter den Melancholikern höher als unter dem Rest der Bevölkerung. Ich will euch jetzt nicht die Stimmung verderben und versuchen, euch zu Melancholikern zu machen. Ich will im Gegenteil diejenigen, die vielleicht eher ein melancholisches oder pessimistisches Temperament haben, helfen, euch glücklich zu schätzen, dass ihr so seid. Ein Melancholiker, der irgendwo sieht: „Ja, alles, was einen Anfang hat, hat ein Ende. Die Menschen streben nach Äußerlichkeiten. Die Dinge, die die meisten Menschen machen, sind sinnlos. Vieles, was ich in meinem Leben mache, ist auch sinnlos.“ Warum kann es gut sein, dass man so denkt? Dann denkt man vielleicht tiefer. Wenn dann der Melancholiker den Schritt hinkriegt und sagt: „Ja, gibt es vielleicht doch was Tieferes?“ Dann kann ich immer noch Weltenschmerz haben und Menschenschmerz, aber es gibt etwas Tieferes. Buddha war vermutlich auch irgendwann mal ein Melancholiker. Was ist die erste der vier edlen Wahrheiten des Buddhismus? Alles Leben ist Leiden. Patanjali sagt das auch irgendwo, aber verklausuliert im zweiten Kapitel im Teil, den kaum jemand liest. Und dann sagt er auch, warum. Und letztlich, ein beschränktes Leben ist Leiden. Und Buddha wird immer so lächelnd dargestellt, denn letztlich aus dieser Melancholie heraus wird dann gestrebt nach einem höheren Sinn im Leben. Und dann muss man nicht glücklich sein über jedes einzelne Ereignis, was kommt, man muss nicht alles Mögliche genießen können, sondern man geht den Dingen tiefer auf den Grund. Was jetzt nicht heißt, dass die Glückskinder unter euch jetzt alle Melancholiker werden müssten, es gibt viele Formen von Spiritualität und es gibt auch Menschen, die das Temperament, überschäumend vor Glück zu sein, das auszustrahlen. Swami Sivananda war so einer. Von dem wird berichtet, als Kind und Jugendlicher hat er immer diese Freundlichkeit und Glück und Lebensfreude ausgestrahlt, als junger Arzt auch. Er hat zwar auch immer dann wieder sich gefragt: „Vor dem Hintergrund des Leidens, was könnte ich tun?“ Aber er hatte dieses natürliche Temperament des Glücklichseins. Nur, nicht dass ihr denkt, man muss das sein. Aber ich will eben auch sagen, Ananda, wenn es darum geht, Glück zu erfahren, das ist ja unsere wahre Natur. Glück, heißt das nicht, dass wir so ein lebenslustiger Mensch werden müssen. Wenn wir es sind, ist es gut, wenn wir es nicht sind, sind wir nicht gezwungen. Und die, die es sind, sollen nicht versuchen, die Melancholiker zu lebenslustigen Menschen zu erziehen. Es wird nicht klappen.

– Fortsetzung folgt –

Dies ist die 9. Folge der unbearbeiteten Niederschrift eines Mitschnitts eines Workshops von Sukadev Bretz in der Yoga Vidya Yogaschule Essen. Für die Erläuterung der Sanskrit Ausdrücke schaue nach im Yoga Wiki. Hier ein paar weitere Links:

Umfangreiche Infos zur Yogalehrer Ausbildung

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